Grundlagen systemisch-konstruktivistischen Denkens

 
 
  Die Jesus-Strategie (Haley, Jay – 2003)
  Vom Sein zum Tun (Maturana, Humberto R.; Pörksen, Bernhard – 2003)
  Einführung in die Systemtheorie (Luhmann, Niklas – 2003)
  Über die Beziehung zur Welt (Gaugusch, Andrea – 2003)
  Kritik des Konstruktivismus (Unger, Fritz – 2003)
  Cybernetics - Kybernetik (Pias, Claus – 2003)
  Cybernetics and Human Knowing No. 10 (Heinz von Foerster)
  Im Auge des Betrachters. (Peter Krieg und Paul Watzlawick (Hrsg.))
  Die Selbstorganisation komplexer Systeme (Hermann Haken)
  Die Reise nach Wladiwostock - Eine systemtheoretische Exkursion
  Wissen und Wirklichkeit - Beiträge zum Konstruktivismus
 
 
 
  Kybernetes: Heinz von Foerster – in memoriam Part II (Monika Bröcker (Guest Editor))
   Österreich 2050 (Harald Mahrer (Hrsg.))
  Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus
  Nie wieder Vernunft (Dirk Baecker)

Die Jesus-Strategie
Die Macht der Ohnmächtigen

Jay Haley
Die Jesus-Strategie
Die Macht des Ohnmächtigen
144 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN 3-89670-294-7
Euro 17,50

Zweifellos ist das Buch KEIN Wirtschaftsbuch. Es enthält auch keine wirtschaftsnahen Themen. Es sollte auch keinesfalls jemand lesen, der nicht paradoxe Interventionen liebt.
Warum um alles in der Welt sollte es dann gelesen werden? Was ist das Interessante daran?
Nun – Jay Haley verändert in allen darin beschriebenen Themen – Machtstrategien, Ehe, Psychoanalyse, Therapie etc. – die Beobachter-Perspektive: Aus Opfern werden Täter und unglückliche Situationen werden hergestellt bzw. das Buch liefert die Anleitung dazu, solche Situationen erfolgreich herzustellen.
Völlig neue Fragen rücken damit in den Mittelpunkt, Fragen, auf die bislang selten eine Antwort gesucht wurde; etwa „Wie schafft man sich eine unglückliche Ehe?“ oder „Wie kann ein scheinbar Ohnmächtiger in seiner Ohnmächtigkeit unendliche Macht erreichen?“. Wer bislang als unglücklicher Leidtragender gesehen wurde, erscheint plötzlich im Licht des Kalkulierenden – auf der Suche nach Sinn. Jay Haley schafft durch seine brillanten Arbeiten, die jeweils heimlich den Titel „Die Kunst zu...“ tragen, eine zielgerichtete Intervention, um seine Leser zum Nachdenken über die wahrhaft kunstvollen Griffe zu bringen, mit denen sie sich die eigene (miserable? gestresste? eingeengte? unbefriedigende?) Situation schaffen. Ein ungewöhnliches, radikales Buch, das äußerst gefährliche Wirkung haben kann.

Vom Sein zum Tun
Die Ursprünge der Biologie des Erkennens

Humberto Maturana Romésin und Bernhard Pörksen
Vom Sein zum Tun
224 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN 3-89670-288-2
Euro 19,90

Autopoiesis? Allopoiesis? Strukturelle Kopplung? Rekursive und rekurrente Interaktion? Konsensueller Bereich?
Viele Menschen verwenden heute bereits im Management-Bereich diese Begriffe – auch wenn sie oft nicht das darunter verstehen, was der Schöpfer dieser Begriffe vermitteln will.
Das Konzept der Autopoiesis ist ein zentrales Konzept im Rahmen der systemisch-konstruktivistischen Arbeit. Nur – es erscheint häufig sehr kompliziert und schwierig auf die Lebens- und Berufspraxis übertragbar.
In diesem Buch schafft es Matthias Pörksen wieder einmal überzeugend, ein lesbares, verständliches Buch zu schaffen; im Interview mit Humberto Maturana, dessen Leben und Werk er auf äußerst wertschätzende Weise vor dem geistigen Auge des Lesers wachsen lässt.
Maturanas Arbeit aber ganz besonders auch Humberto Maturana selbst wird in diesem Buch greifbar, seine Idee nachvollziehbar und schließlich eigenes Weiterdenken angeregt. Ein wundervolles Buch für kalte Wintertage, in denen wir uns darauf besinnen können, dass wir von unseren Emotionen und nicht von unserer Ratio geleitet werden.

Einführung in die Systemtheorie

Niklas Luhmann
Einführung in die Systemtheorie
347 Seiten
Carl-Auer-System Verlag Heidelberg
ISBN 3-89670-292-0
Euro 24,90

Niklas Luhmann zu lesen wird oft als anspruchsvoll und noch öfter als völlig unmöglich bezeichnet. Nun, dieses Buch ist in dieser Hinsicht wohl eine echte Ausnahme. Es handelt sich dabei um gut verständliche und nachvollziehbare Mitschnitte einer Vorlesung Luhmanns, in der er den Studenten ein eigenes Arbeiten mit dieser Theorie ermöglichte.
Auf diese Weise ist das Buch eine Fundgrube für verhältnismäßig einfache Ideen im Umgang mit schwierigen Fragen und bietet eine Menge von Konzepten und Theoremen, die es erlauben, Wahrnehmung, Beschreibung und Denken zu schulen – sei es mit dem Ziel der Beobachtung der Wirtschaft, der Politik, der Erziehung und Bildung, der Organisation oder der Familie.
Das Buch erklärt mit viel Witz und einer Fülle von Beispielen wichtigsten Grundlagen der allgemeinen und der soziologischen Systemtheorie aus der Sicht Niklas Lumanns – und es geht auf Themen ein wie die Theorie offener Systeme, die operative Geschlossenheit von Systemen, Selbstorganisation, strukturelle Kopplung, das Beobachten, auf Komplexität, die Idee der Rationalität, Zeit und Sinn, auf die Unterschiede zwischen psychischen und sozialen Systemen, die Probleme der „Handlungstheorie“ und die Kommunikation als selbstbeobachtende Operation.
Insbesondere wird darin das Denken Luhmanns deutlich – seine Art, die Welt zu sehen.

Über die Beziehung zur Welt

Andrea Gaugusch
Über die Beziehung zur Welt
80 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN 3-89670-315-3
EUR 16,--

Dies ist ein spielerisch geschriebenes, kurzes Buch zur Auseinandersetzung mit Grundsätzlichem, das jeden von uns betrifft: Mit unserer Sprache. Andrea Gaugusch stellt darin dar, dass unsere Sprache uns nicht nur zum „Bezetteln“ von Welt dient, sondern fließend unsere Wirklichkeit gestaltet. Es geht um die Trennung zwischen Subjekt und dem bedachten Objekt, die wir meist voraussetzen, und die dazu führt, dass wir uns als getrennt von der Welt betrachten.
Gut, es ist ein sehr theoretisches Buch; ein abstraktes Buch, das neben der Sprache auch das Denken und das Bewusstsein in seinen bisherigen Definitionen in Frage stellt und Alternativen zum Nachdenken bietet. Es gibt darin keine Umsetzungsbeispiele, keine praktischen Instrumente, keine Anwendungsabläufe. Aber es gibt am Ende des Buches ein „Hörspiel“ mit dem Titel „OM – Orale Moral“. Ein Hörspiel, das einlädt innezuhalten und die Welt – die eigenen Handlungen, die eigenen Konstruktionen – an sich vorbeiziehen zu lassen. Ein fast poetisches Hörspiel, das den inneren Dialog anregt.

Kritik des Konstruktivismus

Fritz Unger
Kritik des Konstruktivismus
184 Seiten
Verlag für Systemische Forschung im Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN 3-89670-325-0
EUR 19,90

Dieses Buch ist zumindest aus einem Blickwinkel interessant: Wir erfahren darin, wie der Autor ganz offensichtlich unterschiedliche Autoren verstanden hat, die über den Konstruktivismus (und über andere Ansätze, etwa den radikalen Realismus) geschrieben haben (und es stellt sich u.a. die Frage, was wohl die verschiedenen Autoren darüber sagen würden, wie sie zitiert wurden?).
Dabei geht das Buch vielleicht am Punkt vorbei: Geht es denn darum, welcher Ansatz besser oder schlechter ist? Ist es möglich, zwei (vollkommen gegensätzliche) Erkenntnistheorien gleichzeitig als Grundlage des eigenen Denkens und Handelns anzuwenden? Kann aus Ansätzen wie dem Konstruktivismus oder dem Realismus einfach in verschiedenen Bereichen ein „Nutzen gezogen“ werden – oder könnte es nicht (auch) darum gehen, welche Folgen welches Denken haben könnte?
Der Streit um „besser“ oder „durchgängiger“ schien eine Zeit lang weitgehend abgeschlossen zu sein; dieses Buch jedoch versucht ihn wieder aufleben zu lassen und führt damit eine Tradition fort, die wahrscheinlich schon vor vielen Jahren ad absurdum geführt hätte werden sollen.

Cybernetics – Kybernetik

Claus Pias (Hrsg.)
Cybernetics – Kybernetik
The Macy-Conferences 1946-1953
734 Seiten
diaphanes Verlag
ISBN 3-935300-35-2
EUR 39,80

Zwischen 1946 und 1951 wurden unter dem Titel „Cybernetics. Circular Causal and Feedback Mechanisms in Biological and Social Systems“ insgesamt 10 Konferenzen unter der Schirmherrschaft der Josiah Macy jr. Foundation veranstaltet. Diese berühmten „Macy-Konferenzen“ werden noch heute als wesentliches wissenschaftshistorisches Ereignis angesehen – und gleichzeitig als einer der wichtigsten Promotoren kybernetischen sowie konstruktivistischen Denkens. TeilnehmerInnen wie Heinz von Foerster, Gregory Bateson, Margaret Mead, Warren McCulloch, Ross Ashby, Stafford Beer und Kurt Lewin – um nur einige der Namen zu nennen – diskutierten hier eine aus damaliger wie auch aus heutiger Sicht höchst brisante neue Erkenntnistheorie.
Die Beiträge zu dieser Konferenz, die lange Zeit vergriffen waren, sowie die Diskussionen, die sich als Folge der verschiedenen Beiträge ergaben, wurden nun von Claus Pias in eindrucksvoller, ungekürzter Fassung zusammengestellt.
Ein englisches Standardwerk für Interessierte an Hintergrundwissen und eine wunderbare Gelegenheit, sich (vielleicht erstmals) mit einem ganz neuen Denken auseinander zu setzen.

Cybernetics & Human Knowing No 10: Heinz von Foerster

Soren Brier (Hrsg.)
Cybernetics & Human Knowing No 10
Heinz von Foerster (1911 – 2002)
205 Seiten
zu beziehen unter www.imprint-academic.com/C&HK
USD 63,--
Eigentlich ist das Buch ja eine Zeitschrift – aber sie erscheint in den Sonderheften als Buch. Und dieses englische Sonderheft ist durchgängig Heinz von Foerster (1911 – 2002) gewidmet.
In der Tat ist es ein sehr schönes Kompendium über Heinz von Foersters Person und seine Arbeit geworden – und verrät in, aber auch zwischen den Zeilen immer wieder Lesenswertes über die Grundlagen konstruktivistischen Denkens und Heinz von Foersters Haltung.
Da geht es um Themen wie Ethik, soziale Intelligenz, Ethik, die Teil der Welt-Haltung, Eigenformen und viele andere Themen, die u.a. von Autoren wie Bernhard Pörksen, Pille Bunnell, Bernard Scott, Louis H. Kauffman, Monika Broecker, und natürlich auch von Heinz von Foerster selbst geschrieben wurden.
Ein bemerkenswerter Band, der seinesgleichen sucht und die Auseinandersetzung mit Heinz von Foerster aus verschiedenen Perspektiven und verschiedenen Wissensgebieten vornimmt. Ganz so, wie es Heinz vermutlich geschätzt hätte.

Das Auge des Betrachters
Beiträge zum Konstruktivismus

Peter Krieg und Paul Watzlawick (Hrsg.)
Das Auge des Betrachters
Beiträge zum Konstruktivismus
278 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN 3-89670-238-6
EUR 22,--

Ein Buch, das Heinz von Foerster ehren sollte – und das noch einmal viele jener Menschen, die mit ihm zusammengearbeitet und ihn gekannt haben, an einem seiner legendären Wiener Salon-Abenden zusammen holt. Vertreter wie Humberto Maturana, Ernst von Glasersfeld, Francisco Varela, Niklas Luhmann und Paul Watzlawick, um nur die bekanntesten zu nennen, beschreiben ihren Standpunkt zu Heinz von Foerster oder ihre „Erfindungen“, wie Heinz von Foerster es nennen würde, im virtuellen Dialog mit diesem.
Das Buch wurde bereits anlässlich von Foersters 80. Geburtstag zusammengestellt, aber erst viel später erstmals auf Deutsch herausgegeben. In verdaubare Brocken unterteilt, ermöglicht es, nacheinander viele verschiedene Perspektiven einzunehmen und sich – immer unter „konstruktivistischen“ Gesichtspunkten – mit ganz unterschiedlichen Themen und Wissensgebieten auseinander zu setzen, für die Heinz von Foerster eine zentrale Rolle spielt, oder anders ausgedrückt: die spezifisch unter Foersterschen Gesichtspunkten betrachtet wurden.
Soziologie, Biologie, Literaturwissenschaften, Journalismus, aber auch Wirtschaft und Unternehmensführung können (auch) aus dieser Perspektive betrachtet werden und schaffen auf diese Art und Weise eine ganz neue Wirklichkeit.


 



Die Selbstorganisation komplexer Systeme
Ergebnisse aus der Werkstatt der Chaostheorie

Hermann Haken
Die Selbstorganisation komplexer Systeme
Ergebnisse aus der Werkstatt der Chaostheorie
45 Seiten
Picus Verlag
ISBN 3-85452-503-6
EUR 7,90

Hermann Haken entdeckte als theoretischer Physiker Gesetzmäßigkeiten beim Laser, die einen wesentlich größeren Gültigkeitsbereich als den der Physik haben. Um diesen Gültigkeitsbereich auszuloten, gründete er 1969 ein interdisziplinäres Gebiet, das er „Synergetik“ (die Lehre vom Zusammenwirken) mit der grundlegenden Fragestellung „Gibt es allgemeine Prinzipien unabhängig von der Natur der Teile?“ nannte. In seinem Buch beschreibt er – ausgehend von der Frage, wie Ordnungszustände entstehen können, obwohl doch mit dem Anwachsen der Entropie auf dieser Welt alle Ordnungszustände entfallen sollten, seine Untersuchungen von Systemen, die aus sehr vielen einzelnen Teilen bestehen, die miteinander wiederum in Wechselwirkung stehen und dann auch makroskopischer Ebene Strukturen oder Funktionen hervorbringen.

Und seine Antwort besteht darin, dass das Entropiegesetz ja nur für abgeschlossene Systeme gilt. Offene Systeme – wie etwa Organisationen – werden durch einen ständigen Ein- und Ausstrom von Energie und/ oder Materie aufrechterhalten.
Das Büchlein ist sehr kurz und knapp gehalten und stellt eine Zusammenfassung von Hakens Vortrag 2003 im Rahmen der Wiener Vorlesungen dar. Es ist in einer sehr gut verständlichen Sprache geschrieben und regt auf einer abstrakten Ebene zum Weiterdenken an: Was bedeutet die Synergetik für Organsationen?


 

 

Die Reise nach Wladiwostock
Eine systemtheoretische Exkursion


 

Eine Theorie ist eine Theorie ist eine Theorie. Und ein Buch ist ein Buch ist ein Buch. Was aber, wenn der im Buch beschriebene Inhalt gerade erst wieder die Theorie beschreibt, festigt, die Theorie erzeugt?
Dies ist ein durch und durch ungewöhnliches Buch. Es geht darin – und das ist noch nicht sehr aufregend – um die Verschiebungen und Zerstreuungen der Systemtheorie der Bielefelder Provenienz im Laufe der Zeit. Und diese Veränderungen hätte man einfach nachzeichnen und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit in Form einer wissenschaftlichen Publikation anbieten können. Aber den Autoren ging es darum, auch ein primär nicht wissenschaftlich orientiertes Lesepublikum zu verführen, mit der Theorie Kontakt aufzunehmen. Wie sollte das besser passieren können, als auf einer Reise von Hamburg nach Wladiwostok – in einem Dialog zwischen den Autoren?
In diesem Buch erleben die LeserInnen die Kybernetik zweiter Ordnung nicht nur im Inhalt, sondern auch im Prozess des Buches selbst und in dem, was zwischen den Protagonisten – dem depressiven Herrn Siebenschwan, dem Professor Gabriel St. Beeltz, einem Espresso-Bar-Angestellten, der ehemaligen Studentin Frieda, dem Schaffner an Bord des ICE und dem Lehrbeauftragten Bastian Schwurb passiert.

Wissen und Wirklichkeit
Beiträge zum Konstruktivismus

Stefan Meinsen
Konstruktivistisches Management
234 Seiten
Beltz Wissenschaft
Deutscher Studien-Verlag
ISBN 3-407-32044-2
EUR 29,90

Ernst von Glasersfeld hat mit dem von ihm auf den Weg gebrachten Radikalen Konstruktivismus ein überaus wichtiges transdisziplinäres wissenschaftliches Programm zur Erklärung des Begriffs „Wirklichkeit“ auf den Weg gebracht. Ihm zu Ehren erschien nun der interdisziplinäre Band, der zu zentralen Themen des konstruktivistischen Programms Stellung nimmt: Wissenschaft und Rationalität, Kognition und Sozialität sowie Sprache und Verstehen. Mehrere Autoren kommen hier zu Wort: Etwa Fritz Simon mit seinem Artikel über das Ent-Lernen, Hans Rudi Fischer über Rationalität, Logik und Wirklichkeit oder Gebhard Rusch über Konstruktivistische Theorien des Verstehens.
Natürlich ist dieses Buch sehr allgemein gehalten und dadurch auch auf viele verschiedene Bereiche anwendbar; aber gerade im Wirtschaftskontext vermag es unser „business as usual“ hervorragend in Frage zu stellen und bezüglich unserer Handlungen, unserer Weltanschauung, unserer Haltung neue Themen aufzuwerfen.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und uns die Welt um uns herum neu definieren lässt.

 



 

Angewandter Konstruktivismus
Ein Handbuch für die Bildungsarbeit in Schule und Beruf

Johanna Meixner und Klaus Müller
Angewandter Konstruktivismus
Ein Handbuch für die Bildungsarbeit in Schule und Beruf
201 Seiten
Shaker Verlag
ISBN 3-8322-3061-0
EUR 29,90

Im Prinzip eine gute Idee: Die Gedanken des Konstruktivismus werden in Anwendungsformen umgesetzt, die direkt in Schule und Unternehmen – etwa in Seminaren und Workshops – verwendet werden können. Und die Autoren haben unglaublich viel Material zusammen getragen und in dieses kleine, handliche Büchlein verpackt, das von Blended Learning über Reciprocal Teaching bis hin zu Career Counseling und Krisenmanagement reicht.
Allerdings ist bei manchen Themen fraglich, wie diese in ein konstruktivistisches Buch gerutscht sein konnten – etwa wenn es um die Balintgruppenmethode geht, oder wenn Systemisches Coaching als ein NLP-Instrument beschrieben wird.
Nun – die Leser werden jene Konzepte auswählen, die für ihre Haltung und ihre Anforderungen passend sind und daraus einen Mix erstellen, der ihnen sinnvoll erscheint. Und das Buch bietet in seinem Umfang und seiner gleichzeitigen Knappheit jede Menge Möglichkeit, an die Hinweise und ersten Einführungsübungen anzuknüpfen und dann mehr Material zum Thema zu suchen.

Erfundene Umwelt
Das Konstruktivismus-Buch für Öko- und andere Pädagogen

Richard Häusler
Erfundene Umwelt
Das Konstruktivismus-Buch für Öko- und andere Pädagogen
127 Seiten
oekom verlag
ISBN 3-936581-73-8
EUR 24,90

Eigentlich ist dies ein Buch für Pädagogen, die das Thema Konstruktivismus und dessen Zusammenhang mit unserem Kontext, der Umwelt, Kindern näher bringen wollen. Aber auch Personalentwickler, Berater und Trainer sowie Führungskräfte im Allgemeinen und natürlich Umweltbeauftragte und Umweltberater im Besonderen können gerade durch die sehr einfach und übersichtlich dargestellten Erklärungen enorm profitieren: Denn es wird deutlich gemacht, wie wir uns die Welt erfinden und welche Auswirkungen dies auf unser Leben hat. Am Ende des Buches wird in einem allgemeiner gehaltenen Teil vorgestellt, wie ein zukünftiges Lern- und Seminargestaltungskonzept aussehen könnte, indem der Autor konstruktivistische Lern- und Lehrformen vorstellt.
Auch die kommentierte Literaturliste am Ende des Buches ist eine echte Bereicherung für Interessenten, die eine kleine Vorauswahl treffen wollen, bevor sie in den Buchladen gehen.
Ein Buch, in das es sich hinein zu schauen mit Nachdruck lohnt!

Kybernetik und Interdisziplinarität in den Wissenschaften
Georg Klaus zum 90. Geburtstag

Klaus Fuchs-Kittowsky und Siegfried Piotrowski
Kybernetik und Interdisziplinarität in den Wissenschaften
Georg Klaus zum 90. Geburtstag
394 Seiten
trafo Verlag Berlin
ISBN 3-89626-435-4
EUR 34,80

Georg Klaus, Autor des Werkes „Kybernetik in philosophischer Sicht“ wurde vor 40 Jahren mit seinem Werk zum Sinnbild gegen den Dogmatismus in der Philosophie und trug wesentlich zur Überwindung dieses Dogmatismus bei: Damals ging es vor allem um die Förderung des interdisziplinären Denkens, das es ermöglichte, dass Vertreter unterschiedlicher Disziplinen miteinander kommunizieren können.
Die Festschrift zum 90. Geburtstag von Georg Klaus setzt sich zum Ziel aufzuzeigen, wie hochaktuell kybernetisches Denken nach wie vor ist.
Viele Autoren bemühen sich darin um ganz unterschiedliche Themen, etwa Pädagogik und Information, Kommunikation, Kybernetik und Gesellschaft – Mathematik und Dialektik sowie Semiotik und Medien.
Einige der Artikel, die aus Vorträgen im Rahmen eines gemeinsamen Kolloquiums der Leibniz-Sozietät und der Deutschen Gesellschaft für Kybernetik im November 2002 in Berlin entstanden, sind auch direkt auf Unternehmen und Führung/ Management anwendbar. Andere sind insbesondere vor dem Hintergrund der Unterschiede zwischen der damaligen DDR und der BRD interessant zu lesen. Insgesamt eine breite Palette, die das Thema aus meiner Sicht zu Recht „interdisziplinär“ behandelt!

Kybernetes: Heinz von Foerster – in memoriam. Part II


Monika Bröcker (Guest Editor)
Kybernetes: Heinz von Foerster – in memoriam Part II
258 Seiten
Emerald Insight Verlag
ISBN 1-84544-097-8
Volume 34, Nr. 3/4
Kosten: siehe www.emeraldinsight.com

Ein wundervolles Buch von Autoren, die mit Heinz von Foerster gearbeitet haben oder sich von ihm inspirieren ließen: Gianfranco Cecchin, Giorgio Nardone, Ernst von Glasersfeld, Barbara Anger-Diàz, Bernhard Pörksen und viele andere.
Die Leser dieser von Monika Bröcker so liebevoll zusammengestellten Ausgabe von Kybernetes werden in den Feldern der Therapie genauso fündig wie in den Themen Management/ Organisation und Lernen – oder auch in Grundlagendiskussionen.
Wer sich auf diese Weise Heinz von Foerster nähert, erlebt ihn in der Anwendung auf heutige Herausforderungen – und erfährt, wie Heinz von Foersters Denken maßgeblich dazu beigetragen hat, konsequente, funktionierende Antworten in der Praxis zu liefern.
Die meisten Beiträge sind in gut verständlichem Englisch gehalten, sodass das Lesen richtig Spaß macht.


Österreich 2050

Harald Mahrer (Hrsg.)
Österreich 2050
208 Seiten
Czernin Verlag   
ISBN 3-7076-0059-9           
EUR 19,80

Kann man sich ein Land erfinden? Natürlich nicht, werden viele Menschen sich beeilen zu antworten. Nun – wenn wir davon ausgehen, dass wir uns unsere Wirklichkeit gestalten, dann können wir auch unsere Zukunft gestalten; und zwar genau so, wie wir sie haben wollen. Nicht nur in unserem Mikrokosmos, etwa in unserer Familie oder am unmittelbaren Arbeitsplatz, sondern auch in der Gesellschaft, an der wir teilhaben und teilnehmen.
Genau dies ist den Autoren rund um Harald Mahrer gelungen: Sie skizzieren einen Staat, wie er in 45 Jahren sein könnte – und holen mit ihren „Erfindungen“ rund um Lebensphasen-Modelle, Arbeitszeitmodelle, Schulsysteme, Wirtschafts- und Sicherheitssysteme die Zukunft in die Gegenwart. Denn was heute denkbar ist, ist auch machbar.
Wir sollten vielleicht nur den Mut haben, zu erfinden; und dann aber auch den Mut haben, unsere Erfindungen zu leben und umzusetzen.
Wie das gelingt? Nun, mit Konsequenz und Zielorientierung. Vielleicht ist ja dieses Buch eine Anregung, auch für das eigene Unternehmen eine Zukunftsbeschreibung herauszugeben (nach dem Motto: Man darf doch träumen…), die schon heute umgesetzt werden kann (nach dem Motto: Warum nicht heute, wenn es doch schon fertig gedacht ist?).

 

 



 

 



Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus

Fritz B. Simon
Einführung in  Systemtheorie und Konstruktivismus
120 Seiten
1. Auflage 2006
Carl-Auer-Systeme
ISBN: 3-89670-547-4
EUR 12,95


Diese Neuerscheinung von Fritz Simon stellt nach Aussage des Verfassers selbst  ein „Kondensat aus Hard-Core-Theorie“ dar. Die Beschreibung passt: Den Leser erwartet auf  120 Seiten  eine kompakte Darstellung zu Systemtheorie und Konstruktivismus. Und der Autor empfiehlt „den Text zweimal zu lesen“ - das passt auch. Ja, und sicher steigert das die Verdaubarkeit der Theorie: Denn Fritz Simon nimmt uns in sechs Kapiteln auf eine Reise durch die eindruckvolle Welt der Systemtheorie und des Konstruktivismus: Beginnend mit Überlegungen, wie wir vom Objekt zum System und vom Regelkreis zur Selbstorganisation kommen, arbeitet er sich weiter von der „objektiven Erkenntnis“ zum „Er-Rechnen einer Realität“. Er geht darauf ein, wie wir uns Informationskreation anstatt der „Übermittlung“ von Information denken können und von der deterministischen Veränderung zum evolutionären Wandel kommen. Und schließlich beschreibt er noch, welchen Stellenwert Kommunikation als Element sozialer Systeme einnimmt.
Theorie knapp und prägnant und zugleich ohne Abstriche darzustellen, das hat etwas. Doch ich möchte den Fokus von dem, was das Buch präsentiert auf das, wie es präsentiert wird lenken: F. B. Simon gelingt es, die 120 Seiten Hard-Core-Theorie lesbar und vergnüglich zu gestalten. Es ist eine Freude, mit dem Buch zu leben; aber auch, wenn es dann zu Ende gelesen ist, es sich noch einmal vorzunehmen und jeden einzelnen Gedanken des Autors nachzuspinnen und zu durchdenken!
Das Buch ist durch und durch rund und vermittelt die Zusammenhänge nachvollziehbar und für mich bestechend überzeugend. Das Schmankerl zum Abschluss: Die zehn Gebote des systemischen Denkens.  Jedes „Gebot“ erscheint mir einleuchtend und hilfreich für systemisches Denken in einer linear dominierten Welt. Und der Begriff „Gebot“ selbst erscheint mir als ein phantastisches Wort in einem Buch, das sich mit Konstruktivismus beschäftigt. Fazit: Sehr lesenwert, sehr schön zu lesen, sehr schöner Inhalt!

 

 



 

 



Nie wieder Vernunft
Kleinere Beiträge zur Sozialkunde
Grundlagen systemisch-konstruktivistischen Denkens

Dirk Baecker
Nie wieder Vernunft
634 Seiten
Carl-Auer-Systeme Verlag
ISBN: 978-3-89670-622-5
€ 40,10

„Ganz begreifen werden wir uns nie.“ So beginnt Dirk Baecker die Sammlung seiner publizistischen Arbeiten. Er liefert darin Momentaufnahmen: zu großen Denkern der Kybernetik 2. Ordnung wie Heinz von Foerster, Niklas Luhmann oder Paul Watzlawick. Zu Themen wie Theater, Furcht, Regionalisierung, Reform, Kunst und Öffentlichkeit, Nähe, Europa, die Hauptschule. Zu Management, Ökonomie, Friedrich Nietzsche und Jürgen Habermas. Und zu sich selbst. Was das Verbindende daran ist? Das Denken von Dirk Baecker. Die Subjektivität seiner Sichtweise. Die Einladung, sich Gedanken zu machen.
Wer in irgendeinen der Beiträge hineinblättert, kann nicht mehr aufhören. Wer das Lesen in Portionen liebt, kann sich jeden Tag so etwas wie eine verdaubare Gutenachtgeschichte mitnehmen. Gut, dass dieses Buch publiziert wurde.

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